Forschungungsergebnisse zur Frühkastration


Vorpubertäre Kastration

(Prepubertal Gonadectomy)

Bericht anlässlich des 18. R. Winn Foundation Symposiums für Katzen,

Juni 1996 Chicago. Th.J. Lane, DVM & B.Holub, DVM.

Übersetzung Carola Wirz-Elsner


Thomas J. Lane ist Tierarzt an der veterinärmedizinischen Universität von Florida
(Haustiere, Schweine, Alligatoren). Er ist aktiv involviert bei der Florida Animal Control Association,
sowie im Vorstand des Tierschutzbundes. Dr.Lane untersucht seit Jahren die Auswirkungen der chirurgischen
Frühkastration. Dieser Bericht wird aufzeigen, dass Frühkastration von männlichen und weiblichen Katzen
sicher ist und keine negativen Nebenwirkungen auftreten. Es haben sich ausserdem keine statistischen
Unterschiede gezeigt, ob eine Frühkastration im Alter von sieben Wochen oder sieben Monaten durchgeführt
wird.

Lane’s Vortrag begann mit einer Diskussion bezüglich der realistischen Einschätzung der Fortpflanzungsmöglichkeiten
von Katzen :
Zwei Katzen, die acht Jungtiere pro Jahr produzieren, ergeben theoretisch ohne menschliche Intervention
800'000 Katzen in acht Jahren ! Je früher also eine Intervention bezüglich der Fortpflanzung stattfindet,
desto besser.

Dr. Lane erwähnte nicht- operative Möglichkeiten mit hormoneller Geburtenkontrolle. Diese Möglichkeiten
erfordern jedoch verantwortungsbewusste Katzenhaltung, da die „Anti-Katzen-Pillen“ regelmässig gegeben
werden müssen. Er verglich diese Interventionen mit der Gabe von Steroid-Hormonen und Chemischen
Sterilisationen (Zink Derivate). Da beide Methoden jedoch inkonsistente Resultate zeigten und ausserdem
schmerzhaft für die Tiere seien, hält er diese Methoden zum jetzigen Zeitpunkt für inakzeptabel. Da alle
nicht chirurgischen Eingriffe zu stark von der Zuverlässigkeit der jeweiligen Besitzer abhängig sind, sind
diese Methoden für eine kontrollierte Geburtenkontrolle in der Katzenbevölkerung nicht einsetzbar.

Frühkastration verringert hormon-abhängige, medizinische Probleme, reduziert aggressives Verhalten, Urin
markieren, Wildern und Verhaltenstörungen. Deshalb ist die chirurgische Sterilisation das Mittel der Wahl !

Dr. Lane kommentiert nun die Bezeichnung „Kastration“. Im Volksmund wird dies häufig nur auf Hodenentfernungen
bezogen. In der Fortpflanzungs- Forschung bezieht es sich aber auf die Eierstockentfernung und auf die
Hodenentfernung. Da immer noch weniger als 60% der Katzenbesitzer an Kastrationsverträge gebunden sind,
bevorzugt Dr. Lane eindeutig die chirurgische Sterilisation vor einer Plazierung durch Tierheime, Züchter,
Tierärzte etc.

Vorpubertäre Kastration ist definiert als Kastration vor dem Einsetzen der Fruchtbarkeit. Für Weibchen ist
dies zwischen dem 4.-21. Lebensmonat, und für Männchen zwischen dem 7. -10. Lebensmonat. Dr. Lane
kommentiert, dass Kastrationen und Eierstockentfernungen im Alter von 6 - 9 Monaten, wie es heute immer
häufiger praktiziert wird, genaugenommen schon vorpubertäre chirurgische Eingriffe sind. Dr. Lane hebt
hervor, dass Sterilisationen schon im Alter von sieben Wochen vorgenommen werden können, ohne dass
nennenswerte Veränderungen in Bezug auf Erkrankungen oder das Immunsystem stattfinden. Die Frage nach einer
Veränderung in der Körpergrösse von solchen frühkastrierten Katzen wurde gestellt und von Dr. Lane wie
folgt beantwortet:

Durch die starke Reduktion von männlichen und weiblichen Hormonen im Organismus dieser Tiere, verlangsamt
sich der Verschluss der Wachstumsfuge an den Knochen, was in einem geringfügig vergrössertem
Knochenwachstum resultiert. Vor der Pubertät kastrierte Katzen können also etwas längere Knochen bekommen,
als ihre unkastrierten Kollegen. Aber wie schon erwähnt, es gibt praktisch keinen medizinischen Unterschied,
ob eine Katze mit sieben Wochen oder mit sieben Monaten kastriert wird.

Dr. Lane präsentierte Daten einer Studie mit 31 Jungtieren aus sieben Würfen. Diese Jungtiere hatte man
in drei Gruppen unterteilt:

1. Gruppe 1 wurde mit 7 Wochen sterilisiert.

2. Gruppe 2 wurde mit 7 Monaten kastriert.

3. Gruppe 3 wurde nach dem ersten Lebensjahr kastriert.

Das spezifische Gewicht dieser Untersuchungen lag bei Messungen bezüglich des Durchmessers und des Druckes
der Harnröhren, des Effektes im Verhalten (Aktivität, Spielfreudigkeit, Artikulationsverhalten, Temperament,
Aggression, Verschmustheit). Es wurde ausserdem festgehalten, wann sich die Wachstumsfuge schloss
(Knochenwachstum) und wie sich das Körpergewicht und speziell das Körperfett bei diesen Tieren entwickelte.

Es ergaben sich keine Unterschiede in Gruppe 1 und Gruppe 2.
Diese Tatsache bedeutet, Tierärzte müssten eigentlich nicht bis zum Alter von 6-7 Monaten für die Kastration
warten, wenn Jungtiere einfach und sicher im Alter von 7 Wochen kastriert werden könnten. Es sollte noch
erwähnt werden, dass der Unterschied zu Gruppe 3 sich mit der Zeit ausglich.

Dr. Lane diskutierte dann die Ergebnisse des Alachua County Departements. Dieses unterhält seit 1990 ein
Frühkastrationsprogram. Bis jetzt wurden gegen 1250 Frühkastrationen vorgenommen. Es hat keine Erhöhung der
Todesrate stattgefunden, hingegen ist die Anzahl der eutanasierten Katzen gefallen. Mittlerweile gibt es
in 24 Staaten und fünf Ländern Tierschutzorganisationen, die Frühkastrationsprogramme unterstützen.

Zusammenfassend erwähnte Dr. Lane, dass er momentan Daten für eine Langzeit-Studie sammelt, welche in fünf
Jahren abgeschlossen sein wird. Bis heute gibt es kein erhöhtes Risiko von Harnröhrenproblemen, keine
Narkoseprobleme, keine verminderte Knochenbelastbarkeit und keine verringerte Immunabwehr.

Dr. Lane ermunterte alle anwesenden Züchter, die Frühkastration bei ihren Liebhabertieren in Erwägung zu
ziehen. Ob nun eine Rassekatze oder ein Tierheimbüsi: kann eine Katze schon kastriert ins neue Heim
umziehen, ist man einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen in der Geburtenkontrolle von Katzen und der
Übervölkerung ungewollter Katzen.

Diese Studie wurde unterstützt von der American Veterinary Medical Association Foundation
und der The Winn Feline Foundation.