Frühkastration aus schweizer Sicht


Soleure´s Heilige Birma
FRÜHKASTRATION AUS SCHWEIZER SICHT
(von Carola Wirz-Elsner)



In den letzten Jahren habe ich mich damit beschäftigt, verschiedene Berichte über Frühkastration zu
übersetzen. Ausserdem stehe ich in Kontakt mit Züchtern in Amerika, die seit 12 Jahren Frühkastrationen
vornehmen lassen. Die Studien, die guten Berichte der USA-Züchter und eine Tierärztin, die willig war,
Frühkastrationen durchzuführen, bewogen mich meine Jungen dieses Jahr kastriert abzugeben. Ich möchte
nicht unerwähnt lassen, dass ich nur mit Birmakatzen Erfahrung bei Kastrationen habe. Einige Kitten aus
meine Zucht waren schon im Alter von 7 Monaten kastriert worden. Einen Kater davon hatte ich regelmässig
ausgestellt und er wurde meistens nominiert. Heute ist er 4.5 Jahre alt und ich finde er entspricht
absolut dem Birma-Standard in Bezug auf Knochenlänge und Kopfform. Die Hauptaussage der Studien ist ja
immer, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Kitten mit 7 Monaten oder 7 Wochen kastriert wird,
sondern der Hauptunterschied darin liegt, ob eine Katze vor oder nach der Geschlechtsreife kastriert
wird. Was mich betrifft, steht in meinen Verkaufsvereinbarungen sowieso, dass die Liebhabertiere bis
spätestens 10 Monaten kastriert werden müssen.

Also wagten wir uns an dieses Projekt. Welche Narkoseart gewählt wird, ist wohl eher  von den
Möglichkeiten und Erfahrungen des jeweiligen Tierarztes abhängig. In den USA bevorzugen die Züchter
hauptsächlich Narkosen mit Isofluren, dies vor allem, weil es am sichersten bezüglich der Gefahr von
Narkosezwischenfällen erscheint. Tierärzte, die Narkosen mit Isofluren durchführen können, sind in
der Schweiz aber noch eher selten; anscheinend ist das nötige Gerät dafür sehr teuer. Es gibt aber
auch die Möglichkeit mit Halotangas, intravenösen  Narkosemitteln wie Ketamin in Kombination
mit Acepromazin oder die Domitor/Antisedan Kombination.

Bei den ersten vier Frühkastrationen machte meine Tierärztin unterschiedliche Narkosen. Sie kastrierte
zwei Weibchen und zwei Männchen. Sie fühlt sich mit der Domitor/Antisedan Kombination am wohlsten. Auf
Grund der positiven Erfahrungen und mangels Ausrüstung für Isofluren, werden wir es wohl vorderhand bei
dieser Narkoseart belassen.

Alle 7 kastrierten Kitten waren 3 Monate alt. Sie mussten von Mitternacht an ohne Futter bleiben, durften
aber trinken. Um 8’00 brachte ich die Kitten in die Tierklinik und sie wurden wenig später operiert.
Während der Operation lagen sie auf einem Heizkissen um eine eventuelle Unterkühlung zu vermeiden. Bei
so einem jungen Tier dauert diese Operation nur sehr kurze Zeit und schon liegt das Tier wieder im
Aufwachkäfig unter dem wärmenden Rotlicht. Um 12’00 holte ich die Kitten ab. Das erste war schon wieder
putzmunter, während  das zuletzt kastrierte Kätzchen noch etwas schläfrig war. Zu Hause angekommen
warteten die beiden Katzenmamas schon im Wurfkäfig und pflegten die Kleinen erst einmal ausgiebig.
Gegen 14’00 hingen alle vier schon wieder an Mama’s Milchbar, gegen 17’00 wurde der Truten-Vitamin-Brei
nur so weg geschlabbert und am nächsten Morgen wollte die ganze Rasselbande aus dem Wurfkäfig raus, wie
wenn nichts gewesen wäre. Die Mädchen hatten nach 10 Tagen zwei kleine Fädchen zu entfernen, bei den
Katerchen war kein einziger Stich nötig.

Warum ich meine Jungen frühkastrieren lasse ?

Hauptsächlich aus tierschützerischen Gründen. Ich möchte einfach sicherstellen, dass Kitten, welche
meine Zucht verlassen, nicht noch zusätzlich zur Übervölkerung von Katzen beitragen.
Ich hatte zwar noch nie Probleme, dass die Käufer meiner Liebhabertiere diese nicht kastrieren liessen.
Ich weiss aber von anderen Züchtern, dass die Nichteinhaltung von Verkaufsvereinbarungen immer wieder
vorkommt.

Ich biete die Frühkastration als Dienstleistung an, die der jeweilige Käufer selbstverständlich bezahlen
muss. Es ist aber keine Bedingung. Alle Käufer meiner Liebhabertiere waren aber über die Möglichkeit,
die Tiere schon kastriert zu bekommen, überglücklich.

Auch wenn ich das ganze Risiko bei der Frühkastration trage, überwiegen für mich die Vorteile eindeutig.
Die Kitten erholen sich schneller als erwachsene Tiere. Meine Tierärztin kennt die Narkose-und
Operationsmöglichkeiten und deren Nachbehandlung. Ich kann die Kitten im Falle einer Komplikation
wesentlich besser betreuen als ein frischgebackener Katzenbesitzer, ausserdem  helfen die
Katzenmütter bei der „Nachbehandlung“mit. Somit ist der ganze Stress der Kastration viel geringer für
die Tiere, die künftigen Halter und nicht zuletzt auch für den Züchter.

Wer genauer über meine Erfahrungen Bescheid wissen möchte, oder wer konkrete Fragen hat,
darf sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

Mit herzlichen Birmagrüssen