neue Forschungsergebnisse zur Frühkastration


Wissenschaftliche Studien:

Es ist ein Paradoxon, daß eines der ältesten und am häufigst gebräuchlichen chirurgischen Verfahren
für Kuscheltiere eines der am wenigsten erforschten ist. Es sind sehr wenig wissenschaftliche Daten
existent, welche das optimale Alter für das Kastrieren eines Hundes oder einer Katze vorschlagen.
Kastration nach der Pubertät wird am häufigsten an Tieren auf Farmen und in Labors vorgenommen.
Der offensichtlichste Grund Haustiere zwischen 5 und 7 Monaten zu kastrieren ist, daß Tierärzte
festgestellt haben, daß eine Operation in dieser Altersgruppe vorzunehmen komfortabel ist und
ungünstige Ergebnisse ungewöhnlich sind. Die Sicherheit einer Operation und Anästhesie für den
pädiatrischen Patienten wird ebenso bezweifelt, teils verursacht durch Unwissenheit mit pädiatrischen
Patienten und teilweise verursacht durch die Sorge über Betäubungshelfer und Protokolle.

Andere Sorgen bzgl. die Frühkastration betreffen mögliche potentielle Gesundheitsschäden des
erwachsenen Tieres. Angesprochen wurden angebliche Nachteile wie Wachstumsstörungen, Übergewicht,
Verhaltensänderungen und Erkrankungen der unteren Harnwege. Allgemeine falsche Vorstellungen, daß
frühkastrierte männliche Katzen zu Harnröhrenproblemen oder weniger Harntätigkeit neigen, führt auf
eine fehlerhafte und veraltete Studie (Engle, 1977) zurück. Über die letzten 10 Jahre haben jedoch
wissenschaftliche Beweise und klinische Erfahrung gezeigt, daß die meisten dieser Sorgen unbegründet
sind. Es gibt sehr gute wissenschaftliche Beweise die zeigen, daß Erkrankungen des unteren Harntrakts
bei männlichen Katzen nicht auf Kastration, sondern auf eine ganze Menge anderer Faktoren bezogen
werden und falsches Futter einschließen.

Eine Studie der Cornell Universität (Spain et al 2004) zeigte jedoch wichtige Vorteile der
Frühkastration: weniger Asthma, Zahnfleischentzündung und Abszesse von Bisswunden.

Übergewicht ist ein Problem mit vielen Ursachen, einschliesslich Futter, Bewegung, Alter, Rasse,
sexueller Status und anderes. Jüngste Forschungen haben gezeigt, daß kastrierte Katzen weniger
Kalorien benötigen als nicht kastrierte, egal in welchem Alter diese kastriert wurden
(Root, Johnston, Olson, 1996). Kater die sowohl mit 7 Wochen als auch mit 7 Monaten kastriert wurden
benötigten 28 % weniger Kalorien, Katzen sogar 33 % weniger als unkastrierte Tiere. Die
Muskelentwicklung der Kater ist androgen abhängig. Deshalb wird einer Muskelabnahme beim Kater
gleichgültig begegnet.

In einer Studie an der Universität von Florida (Stubbs et al, 1996) beurteilten Forscher sowohl
Knochenwachstum als auch weitere Faktoren in 3 Gruppen von Katzen:

Gruppe 1 wurde mit 7 Wochen kastriert
Gruppe 2 mit 7 Monaten  und
Gruppe 3 war nicht kastriert

Die Wachstumsspeiche schließt sich normalerweise nach der Pubertät, etwa im Alter von 14-20 Monaten.
Es wird vermutet, daß gonadale Steroide notwendig sind, die physeale Knorpelreifung zu erleichtern.
In dieser Studie wurde sowohl bei mit 7 Wochen als auch mit 7 Monaten kastrierten Tieren eine
verzögerte Schliesung der Wachstumszone beobachtet. Dies änderte jedoch die Radius-/Ellenlänge nicht,
so daß es keinen deutlichen Unterschied zwischen den 3 Gruppen von Katzen gab.
Eine andere Studie an der Universität von Minnesota (Root et al, 1997) bzgl. Schliesung der
Wachstumsspeiche in frühkastrierten Katzen zeigte daß die Speiche sowohl bei mit 7 Wochen als auch
mit 7 Monaten kastrierten Tieren länger war als bei Katzen die nicht kastriert wurden.

Deshalb erscheint es, daß Kastration in jedem Alter vor 7 Monaten den Wachstumszonenverschluss
verzögern wird.

Statt Wachstumsstörung zu verursachen, kann der Gedanke der Frühkastration möglicherweise mit normaler
oder größerer Statur verbunden werden. Während ein gesteigertes Risiko von physealen Brüchen als
mögliches Ergebnis eines verzögerten Wachstumsverschlusses postuliert wurde, konnte dies bis jetzt
nicht bestätigt werden.

Die Studie der Universität von Florida ergab auch, daß Frühkastration keine nachteilige Auswirkung auf
die Harnröhre der Katzen hat. Der Durchmesser der Harnröhre war in allen 3 Katzengruppen ähnlich.
Der Penis konnte bei allen kastrierten Katzen, die in dieser Studie betrachtet wurden, völlig
ausgefahren werden. Die Außengenitalien der Kater und Katzen in beiden Altersgruppen blieben kindlich
verglichen mit den unkastrierten Tieren. In einer weiteren Studie der Universität Minnesota
(Root, Johnston, Olson, 1996), fanden Forscher, daß es keinen Unterschied des Durchmessers der
Harnröhre zwischen denselben 3 Gruppen von Katzen gab. Die Forscher stellten auch fest, daß die
vollständige penile Extrusion bei allen kontrollierten unkastrierten Katzen im Alter von 22 Monaten
möglich war.

Jedoch war die vollständige Extrusion bei den mit 7 Monaten kastrierten Katzen in nur 60 % und bei den
mit 7 Wochen kastrierten in keinem Fall möglich.

Die balanopreputiale Falte ist eine androgen abhängige Membrane, die die preputiale Schleimhaut mit der
penilen Schleimhaut von Geburt an verbindet. Die langzeitliche Auswirkung der unvollständigen penilen
Estrusion ist unbekannt.

Verhalten:

Gemäß einer Studie der Universität Florida (Stubbs et al, 1996) war das Verhalten bei beiden Gruppen
kastrierter Katzen ähnlich. Unkastrierte Katzen zeigten jedoch dem Menschen gegenüber weniger Zuneigung
und ihren Artgenossen gegenüber mehr Aggressionen. Kastration in jedem Alter führte keine Lethargie
in weibl. oder männlichen Katzen herbei.
Das Körpergewicht und -fett war bei beiden Gruppen von kastrierten Katzen ähnlich, und war höher als
bei sexuell aktiven Katzen.

In einer Studie von Texas (Howe et al 2000) folgte eine Gruppe von 263 Katzen aus Tierheimen für eine
Periode von 37 Monaten nach einer Kastration. Die Katzen wurden in zwei Gruppen nach Kastrationsalter
eingeteilt:
- prepubertal (unter 24 Wochen alt) und traditionell (über 24 Wochen alt)

Telefoninterviews wurden mit den Adoptiveltern geführt. Es wurden auch Aufzeichnungen von Tierärzten
in einigen Fällen geprüft, wo ein medizinisches oder Verhaltensproblem aufgefallen war. Die Studie
ergab, daß bei den  weniger als 24 Wochen alten Kätzchen keine Infektionskrankheit,
Verhaltensprobleme oder Krankheiten jeder Art während der 37 Monate danach auftraten. Es ergab sich
ebenfalls, daß sich früh kastrierte Katzen im neuen Zuhause im gleichen Tempo einleben, wie Katzen
die im traditionellen Alter kastriert wurden.

Anästhesie und Operation:

Eine Studie von Faggella und Aronsohn mit 96 Kätzchen zeigte keine Komplikationen

Studie der Texas A&M Universität (Howe et al 1997): 779 Katzen aus Tierheimen die von
Veterinärstudenten im vierten Jahr kastriert wurden, führten zu keinen höheren Erkrankungs- und
Sterblichkeitsraten während oder nach der Operation (bis zu 7 Tagen)
Kätzchen die mit weniger als 12 Wochen kastriert wurden zeigten eine geringere Rate an postoperativen
Komplikationen (6,5 %) als jene die mit mehr als 23 Wochen kastriert wurden (10,8 %).

von Dr. Susan Little übersetzt von Claudia Frank

Anmerkung von mir persönlich:

Nach diesen umfangreichen positiven Studien und die persönlichen Erfahrungen von vielen Züchtern
die bereits seit Jahren die Frühkastration durchführen stellt sich mir die Frage, warum gerade bei
einer Schweizer Züchterin ein großteil der mit 3 Monaten frühkastrierten Tiere ihr 2. Lebensjahr
laut ihrer eigenen Aussage nicht erleben. Liegt es vielleicht eher an den aufgeführten genetischen
Defekten als an der Frühkastration???

Jedenfalls leben meine frühkastrierten Tiere vom Jahr 2002 noch alle und das nicht schlecht.

Hier folgen nun Züchter verschiedener Rassen die ebenfalls die Frühkastration durchführen:

Helkenberg Maine Coon
Indianstar´s Maine Coon
Moonraker´s Maine Coon
Heilige Birma von Waltricae
Elvdal´s Norwegische Waldkatzen
Yovimba Main Coon
Thai von der Falkenhöhe
BKH Dearcats